Frühzeitiges Erkennen einer Skoliose

Dr. med. Sylvia Willi-Dähn, Oberärztin Kinderorthopädie, Schulthess Klinik Zürich

 
Eine Skoliose ist eine Verkrümmung der Wirbelsäule in der Frontalebene. Man unterscheidet verschiedene Typen der Skoliose: die angeborene Skoliose durch z.B. einen falsch angelegten Wirbelkörper, die Skoliose im Rahmen anderer Erkrankungen (z.B. Erkrankungen des Nervensystems) und die sogenannte idiopathische Skoliose. Die idiopathische Skoliose ist die häufigste Art der Skoliose. Die Ursache ist unbekannt. Am häufigsten tritt dieser Typ der Skoliose im Jugendalter (Adoleszenz) auf. Mädchen sind bei der Adoleszentenskoliose häufiger betroffen als Jungen.

Skoliosen bereiten meist keine Beschwerden, weshalb die Diagnose einer Skoliose oft spät oder im Rahmen einer kinderärztlichen oder einer schulärztlichen Untersuchung gestellt wird. Ist der Jugendliche angezogen, fallen erst erhebliche Kurven bei der klinischen Untersuchung auf. Die meisten Skoliosen entwickeln sich wie oben erwähnt während des Pubertätsalters, also in einer Zeit, in der man sein Kind seltener unbekleidet sieht. Besser zu erkennen sind Wirbelsäulenverkrümmungen im Bikini oder in Unterwäsche.

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Das ist auch der Grund, weshalb die Jugendlichen oft nach den Sommerferien mit dem Verdacht auf eine Wirbelsäulenfehlstellung ärztlich vorgestellt werden.

Eine echte Skoliose ist eine dreidimensionale Deformität. Es zeigt sich eine Seitkurve, aber auch eine Rotation der Wirbelsäule. Durch die Rotation zeigt sich beim Vornüberneigen eine Vorwölbung der Rippen oder der Muskulatur im Lendenwirbelsäulenbereich („Rippenbuckel“ und „Lendenwulst“ beim sogenannten „Vorneigetest“). Der Vorneigetest ist daher fester Bestandteil einer kinderärztlichen oder kinderorthopädischen Untersuchung.

Durch die Rotation der Wirbelsäule kommt es zu Asymmetrien des gesamten Rumpfes. Asymmetrien können sich als Taillenasymmetrie zeigen, als Asymmetrie der Schulterhöhe und des Brustkorbes, z.B. in einer Schrägstellung des Brustbeines und einer Seitenasymmetrie des unteren Rippenbogens. Diese Asymmetrien werden durch den Betroffenen oder die Eltern oft zuerst bemerkt. Zum Beispiel wird angegeben, dass der BH ungleich anliegt oder das Becken durch die Taillenasymmetrie links und rechts unterschiedlich hoch scheint.

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Bei Nadina zeigt sich beim Vorneigen als Ausdruck der Torsion der Wirbelsäule ein „Rippenbuckel“, gut sichtbar bei ihrer Yogaübung.

Die Krümmung bei der Skoliose kann während des Wachstums eine deutliche Zunahme zeigen. Daher ist eine frühe Erkennung wichtig, um entsprechend dem Ausmass der Skoliose eine Therapie einleiten zu können. Ziel der Behandlung ist das Aufhalten einer Zunahme der Wirbelsäulenverkrümmung. Es stehen je nach Ausprägung verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung: eine alleinige Physiotherapie, eine Korsettbehandlung  und  bei  ausgeprägten  Kurven

gegebenenfalls operative Massnahmen. Sollte Ihnen, wenn sich Ihr Kind etwa beim Eincremen oder beim Sport vorneigt, eine Asymmetrie auffallen, sollten Sie diesen Befund mit Ihrem Kinderarzt oder Hausarzt besprechen.

Bei einem Verdacht auf eine Skoliose sollte unbedingt eine weitere Abklärung durch einen Orthopäden oder Kinderorthopäden erfolgen.