Die Hauptdarstellerin

Nadina Meier

Ich heisse Nadina und werde im Oktober 2016 16 Jahre alt. Zurzeit besuche ich das Gymnasium Luzern. Gerne möchte ich Dir/ Euch etwas von mir, meiner Geschichte und meinen Erfahrungen erzählen.

Meine Skoliose-Geschichte begann Anfang 2013. Durch eine ungünstige Sitzposition in der Schule bekam ich leichte Rücken-schmerzen. Beim genauen Betrachten sah man, dass meine Wirbelsäule leicht gekrümmt war. Nach dem Röntgen wurde beim Hausarzt eine idiopathische Skoliose diagnostiziert. Daraufhin bekam ich Physiotherapie verordnet. Bis heute habe ich verschiedene Therapieformen auspro-biert: klassische Physiotherapie, Spiral-dynamik, Dorn-Therapie, Polarity-Therapie, Skoliose-Therapie nach Katharina Schroth und Osteopathie.

Die Übungen nach Katharina Schroth leiten mich beim Turnen im Alltag am besten an. Die Übungen sind auf meine Skoliose zuge-schnitten. Im Sommer 2015 konnte ich meine Übungen während einer dreiwöchigen Kur in der Asklepios Katharina-Schroth-Klinik in Bad Sobernheim (Deutschland) von Grund auf erlernen und perfektionieren.

Ein Jahr vorher, im Sommer 2014, besuchte ich das Sommer-Skoliose-Lager der Uniklinik Balgrist. Dort bin ich erstmals mit den Schroth-Übungen in Berührung gekommen. Damals wusste ich, dass ich in Kürze mein erstes Korsett bekommen würde. Während des Aufenthalts im Sportzentrum Kerenzerberg wurde mir erstmals klar, wie sich das Tragen eines Korsetts wohl anfühlen könnte. Meine Zimmerkollegin trug schon länger eines und strahlte trotz allem viel Lebensfreude aus. Auch die verständnisvollen Physiotherapeutinnen konnten mir damals meine Fragen beantworten und meine Ängste nehmen. Sicher hatte ich trotz allem ein mulmiges Gefühl, was  mich wohl  erwarten würde, aber ich war auch guten Mutes, dass sich meine rasant fortschreitende Verkrümmung, nämlich monatlich ein Grad in den letzten 20 Monaten, mit dem konsequenten Tragen eines Korsetts wohl stoppen liesse.

Im September 2014 habe ich mein erstes Korsett bekommen und von da an ging ich regelmässig zur Schroth-Therapie.

Die Angewöhnungszeit verlief ohne Probleme. Schon bald konnte ich das „Corsi“, wie ich es liebevoll noch heute nenne, 20 Stunden am Tag tragen. Auch mit dem Schlafen hatte ich glücklicherweise nie Probleme. In der Öffentlichkeit, in der Schule und beim Sport wird mein „Corsi“ immer mal wieder aus- und angezogen, was natürlich hie und da mal Blicke auf sich zieht, aber damit kann ich gut leben. Die grösste Umstellung für mich war wohl kleidertechnischer Art. Früher habe ich gerne Röcke getragen, dies ist nicht mehr oft möglich.

Alles war nicht weiter schlimm, denn ich wusste nach ca. zehn Monaten definitiv, dass ich mit dem konsequenten Tragen meines „Corsis“ das Fortschreiten meiner Verkrümmung vorderhand stoppen konnte. Ich war sehr glücklich und gleichzeitig stolz auf mich. Meine eiserne Disziplin hat mir dabei geholfen.

Im Sommer 2015 reiste ich in die Asklepios Katharina-Schroth-Klinik nach Bad Sobernheim. Der dreiwöchige Kuraufenthalt machte mir wider Erwarten viel Spass! Die medizinischen Fachkräfte leiteten uns sehr kompetent an, wie die Übungen, welche speziell für meine Skoliose ausgewählt wurden, korrekt zu praktizieren sind. Der Klinikalltag beinhaltete stundenlanges Üben, Vorträge über rückenschonendes Verhalten, Ausflüge und auch Freizeit. Ich lernte viele Mädchen kennen, mit denen ich heute noch in Kontakt stehe. Leider war ich die einzige Patientin aus der Schweiz, neben vielen deutschen Mädchen waren auch welche aus Russland und Österreich in der Klinik.

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Den Schwung und die Motivation habe ich von meinem Kuraufenthalt nach Hause genommen. Ich turne nach Möglichkeit viermal wöchentlich meine Übungen. Diese wirken gezielt gegen meine Krümmungen und kräftigen gleichzeitig meine Rücken-muskulatur. Die Korrekturhaltung ohne Korsett, im Speziellen das richtige Atmen beim Üben und beim Tragen des Korsetts, helfen mir die restlichen Stunden mit dem „Corsi“ beschwerdefrei zu leben.

Im Schulsport kann ich fast alles mitturnen, tut mir etwas nicht gut, darf ich mich ausklinken, so zum Beispiel beim Trampolin-Springen. Auch ausserhalb des Schulsports halte ich mich gerne fit. Ich gehe wöchentlich ins Yoga, Basketball und Reiten. Ich liebe es sehr, Sport zu treiben und dies nicht nur, weil ich die Trainingszeit zur Tragezeit des Korsetts dazuzählen kann.

Einmal wöchentlich gehe ich in die Physio, welche abwechslungsweise Schroth-Therapie und Dorn-Therapie beinhaltet. Seit meinem achten Lebensjahr mache ich auch regelmässig Osteopathie, so können Verspannungen in meinem Körper auf sanfte und entspannende Weise gelöst werden. Ursprünglich habe ich damit wegen meiner Nachtspange begonnen.

Seit Beginn meiner Korsett-Tragezeit versuche ich Gelassenheit zu üben. Ich denke, das gelingt mir gut! Es gibt definitiv Schlimmeres, als ein Korsett zu tragen und zu akzeptieren. Durch die Unterstützung meiner Familie, meiner Freunde, meiner Therapeuten und Lehrer ist mein Alltag wirklich unkompliziert.
 
Nun zu meinem tollen Projekt: Was hat mich bewegt, beim Spot mitzuwirken? Ich war begeistert, als ich im April zum Casting für den Spot zum Thema Skoliose eingeladen wurde. Meine Schwester begleitete mich nach Zürich. Uns wurde das coole Projekt vom Verein Skoliose Schweiz vorgestellt und wir waren gleich Feuer und Flamme! Mit dem Auftrag, innert 24 Stunden ein kurzes Vorstellungsvideo von mir und drei Freundinnen an die Regisseurin Astrid von Stockar zu schicken, traten wir die Heimreise an. Schnell war mir klar, dass ich meine Schwester Seraina, ihre Freundin Elena und deren Schwester Carmen gerne mit mir im Boot hätte. Ich war so froh, dass ich sie dafür gewinnen konnte: Am nächsten Tag produzierten wir ein lustiges Kurzvideo von uns. Die Zusage liess nicht lange auf sich warten und wir waren alle aus dem Häuschen!

Dazu eine kleine Randnotiz: Mein geheimer Wunsch war es seit langem, einmal in einem Film mitzuwirken. In der Vergangenheit habe ich es einmal erfolglos beim Luzerner Tatort versucht. In jüngeren Jahren spielte ich während Jahren am Voralpentheater in Luzern Theater. Auch der Theaterunterricht am Gymi macht mir Spass und ist eine tolle Erfahrung.

Mich bewegt es sehr, mit dem Spot möglichst viele Menschen zu erreichen und zu sensibilisieren! Ich bin dankbar, ein Teil davon zu sein. Es ist wichtig, dass junge Menschen und deren Eltern die Wirbelsäulenerkrankung Skoliose genug früh erkennen, denn wer sie genug früh entdeckt, hat gute Chancen, alles richtig in die Wege zu leiten. Folgt die Erkennung einer Skoliose erst später – nicht den Kopf hängen lassen und alles geben!

Falls Du Lust hast, mich zu kontaktieren, kannst Du dies gerne über diese E-Mail- Adresse tun: nadina(at)skoliose-schweiz.ch

Ich würde mich über einen spannenden Austausch mit Dir freuen!

 

Eure Nadina